LE JOG 2013 - Erlebnisbericht und Tipps

Einsamer Saab.

Nachdem wir 2012, schon mal auf dem Weg nach Schottland, von einem "Falschfahrer"-Engländer (er wähnte sich auf dem Festland) nach nur 30 km abgeschossen worden waren, wollten wir es 2013 nochmals versuchen und in John O`Groats finishen.

 

Also packten wir erneut unseren instandgesetzten good old boy, einen BMW 525 ETA mit lockeren 250000 km, also gut eingefahren, und machten uns auf den Weg nach Land´s End.

Dort angekommen, gab es am Freitag erst mal die Fahrzeugabnahme, sehr easy, und ein großes Hallo unter den Teilnehmern, da die meisten Mehrfach-Täter sind und sich gut kennen. Die unterschiedlichsten Fahrzeuge waren vertreten von Pegeout 403 über VW Iltis und Talbot Tagora bis zu den üblichen Austin Healy, Triumph TR 3 und 4 sowie Porsche 911 und BMW ´02.

Zum Einstieg gab es jede Menge Arbeit für den Beifahrer, der musste die Strecken für die Regularitys nach den Fahrtanweisungen des Veranstalters in die Karten, von denen wir so 35 Stück dabei hatten, eintragen. Kaum damit fertig, gab des den Freitagabend-Empfang des Veranstalters, natürlich im "Black Tie", mit Gala Diner. Ins Bett kamen wir dann so gegen 23.00 Uhr.

 

Am nächsten Morgen ging es dann für die Start Nr. 1 um 08.00 Uhr los. Traditionell mit dem Test Nr. 1 direkt auf dem Gelände von Land´s End.

Man muss sagen, dass der Veranstalter eine exzellente Organisation auf die Beine gestellt hat, es fehlte an nichts. Cirka 400 Helfer, vor allem auf den Tests, sind im Einsatz, auf den Regularitys gibt es bis zu 7 Zeitnahmen, bei den Zeitkontrollen, welche natürlich immer in Pubs sind, werden Tee, Kaffee und Snacks angeboten. Alleine diese Lokalitäten sind schon eine Reise wert, weil man dort noch das ursprüngliche England findet.

Auch die technische Betreuung ist hervorragend, wir sollten diese noch bitter nötig haben.

Fahrerlager im Morgengrauen

Nach dem Test Nr. 1 folgten in lockerer Folge eine Regularity, dann mal wieder ein Test, bis wir gegen 20.00 Uhr in der Nähe von Bristol eine Pause von zwei Stunden hatten. Von wegen Pause, der Veranstalter gab uns zwei DIN A 4 Seiten mit insgesamt 50 Koordinatenpunkten für die night navigation, und schon wurde aus der Pause nichts. Plotten, also einzeichnen der Strecke in die Karten war angesagt.

 

Nachdem wir nach einigen weiteren Tests und Regularitys gegen 02.00 Uhr nachts bei der night navigation angekommen waren, merkten wir, dass das Auto auf den schmalen kleinen Wegen in Wales hinten immer öfter aufsetzte, dabei hatte ich das Fahrzeug mit verstärkten Federn extra höher gesetzt. Da das Fahrverhalten immer schlechter wurde, mussten wir irgendwann abbrechen und zum Hotel in Llangollen fahren. Dort sahen wir dann am anderen Morgen die Bescherung: hinten rechts hing das Auto fast auf dem Boden. Kurze Kontrolle: der Federteller war am (neuen!) Stossdämpfer abgerissen. Obwohl wir genug Werkzeug und Teile dabei hatten: dies war eigentlich nicht zu reparieren. Aber jetzt schlug die große Stunde der Service Crew des Veranstalters: Wagenheber raus, Rad ab, kurze Diagnose, Problemlösung: Feder mit zweitem Wagenheber vorgespannt, Federteller unter die Feder gesetzt und mit einer Auspuffschelle am Stossdämpfer wieder befestigt, fertig, geht doch.

Wir waren aber doch ein wenig skeptisch, hält das? Deshalb beschlossen wir am Sonntag nur die Haupt-Zeitkontrollen anzufahren und die Test auszulassen.

 

Dazu eine Story wie nur in England passiert: wir dachten uns, eine oder zwei weitere Auspuffschellen würden den Zustand verbessern, also suchten wir nach diesen.

In einem Laden für Landwirtschaftsmaschinen wurden wir fündig. Als wir bezahlen wollten fragte die Besitzerin : is it for the Rallye ? Ich: Yes, that´s it. Sie: go on, ride even further! Das ist England, das Interesse der Bevölkerung ist sehr groß, vor allem bei den Tests sind sehr viele Zuschauer dabei, die das Ganze als happening aufziehen und sich teilweise mit lustigen Kopfbedeckungen oder sogar Kostümen ausstatten. So auch um 03.00 Uhr in der zweiten Nacht bei einer Regularity, wir glaubten zu träumen, steht doch an einem Abzweig ein Wesen im gelben Teletubby-Kostüm und zeigt mit einem Leuchtstab, wo wir hinfahren müssen!

John O´Groates

Nachdem wir am Sonntagabend die beiden Auspuffschellen montiert hatten, sagten wir uns, ab Montag wird wieder voll mitgefahren.

Außerdem war der härteste Teil der Rallye auch vorbei, da es in Schottland nicht sehr viele Strassen gibt und das Navigieren somit einfacher wurde.

 

Als Highlight stand jetzt noch die Flussdurchfahrt in Stanhope auf dem Programm, also ca. 60 Meter durch knietiefes Wasser und es regnete Bindfäden, was den Wasserstand natürlich zusehends in die Höhe trieb. Nachdem einige Fahrzeuge regelrecht absoffen, das Wasser stand im Auto bis zur Türkante, stellte der Veranstalter frei zu fahren oder auch nicht; wir haben dankend verzichtet und benutzten die daneben liegende Brücke, wir Feiglinge.

Dafür ging es dann bei strömenden Regen und total überfluteten Strassen nach Carlise zu zweiten Übernachtung.

 

Am anderen Morgen ging das Spiel nach gleichem Muster weiter, Regularity, Test usw. Vorbei an den vielen Seen (= Loch) und die Küste in West-Schottland entlang in die zweite Nacht hinein; am Beginn der Nacht wurde eine Regularity auf einem Pass namens "rest and be thankful" gefahren (leider hatten wir hier keine Rast).

Die Nacht brachte nur drei Probleme: wachbleiben, wachbleiben, wachbleiben; also bei den Zeitkontrollen Kaffee und nochmals Kaffee trinken. Dabei fragten wir uns immer öfter, was wir hier eigentlich tun, warum wir uns dies antun, wer von uns auf diese Idee gekommen ist und warum wir auch noch dafür zahlen.

Aber endlich wurde es hell, der Tiefpunkt war überwunden und wir fuhren in einen unglaublichen Sonnenaufgang über Schottland.

 

Dann waren es Gott sei Dank nur noch drei Stunden bis zum Ziel.

 

Aber da zog der Veranstalter noch mal alle Register und forderte uns eine schwere Regularity nach der anderen ab; besonders die letzte Prüfung hatte es in sich.

Dann aber war es geschafft, wir fuhren, begleitet von der Musik eines Dudelsackpfeiffers, durch den Zielbogen in John O´Groat, wo wir dann mit dem typischen schottischem Frühstück belohnt wurden. Wir hatten uns selbst besiegt.

schmutziger good old boy

Danach hieß es dann ins Hotel und ausschlafen, bis abends die Siegerehrung anstand, natürlich wieder im "Black Tie". Die Engländer haben halt Stil, wir fragen uns, wo verstaut eine TR 3 Besatzung ihren "Black Tie"?

Gefeiert wurde bis in den frühen Morgen mit reichlich Wein und gutem Essen, wobei

selbstverständlich das schottische Nationalgericht Haggis nicht fehlen durfte.

 

 

Nach einer weiteren zu kurzen Nacht ging es dann wieder zurück nach Deutschland, wobei wir noch das Pech hatten, die Nachtfähre in Hull zu verpassen und deshalb in der selben Nacht noch bis Dover zur nächsten Fähre fuhren, also noch eine Nacht ohne Schlaf.

das Ziel

Aber trotz allem, wir haben für nächstes Jahr den "early bird" ("der frühe Vogel..."; hoffentlich ist nicht der Wurm drin und alles geht gut) genutzt und uns wieder angemeldet; bis dahin haben wir uns auch wieder ausgeschlafen.

 

PS: Die "Not-Reparatur" hat bis nach Hause gehalten, ein riesiges "Dankeschön" nochmal für die tolle Arbeit der Service Crews! Und wir haben gelernt: immer Auspuffschellen mitnehmen.

 

Resümee: Eine Veranstaltung, wie es keine zweite in Europa zu finden gibt. Fahrspaß pur für den Fahrer, sehr!!! viel Arbeit für den Beifahrer.

Wir sind schon fast alle großen Veranstaltungen in Europa gefahren, aber LE JOG ist nicht zu toppen. Super Organisation, sehr gutes Preis Leistungsverhältnis (anders als bei vielen anderen Veranstaltungen, auch in Deutschland).

Aber auch: sehr schwer!